Elternabend kompakt

Elternabend kompakt

Digitale Medien sind Teil unserer Gesellschaft

1 %
der 12-19 jährigen hat ein Smartphone
1 h
verbringen Deutsche täglich mit Medien

Warum Social Media?

Identität

Was früher nur mühselig und langfristig mithilfe von Kleidungs- und Musikstil etabliert wurde, dauert heute nur wenige Klicks. Das digitale Ich erlaubt schnelle, einfache und unverzügliche Veränderungen der Persönlichkeit. Ein neuer Stil ist nur einen Filter entfernt. Und die Bestätigung folgt sofort, in Form von Kommentaren und Likes - oder eben auch nicht.

Beziehungen

Freundschaften werden mit dem Alter immer wichtiger, die Eltern immer unwichtiger. Mit WhatsApp auf dem Nachttisch bekommt das Versprechen der Freundschaft "Ich bin immer für Dich da" eine neue Perspektive. Jetzt kann ich immer für dich sein – nein, jetzt muss ich immer für Dich da sein. Jede Gruppe, jeder Verein, jedes Hobby hat jetzt seine eigene WhatsApp Gruppe. Wenn Smilieys Mimik ersetzen sind plötzlich Missverständnisse an der Tagesordnung, nur diesmal lesen die Anderen mit.

Organisation

Unmöglich: in Deutschland 2018 etwas in seinem Freundeskreis organisieren und dabei auf Social Media verzichten. Und natürlich gilt das auch für Jugendliche: "Wann war nochmal Abfahrt für das Spiel am Wochenende?", "Was machen wir heute Mittag?", "Mama, hol mich, ich hab den Bus in die falsche Richtung genommen."

Unterhaltung und Zeitvertreib

Jungs zocken und Mädchen youtuben sich ihre neusten Schminktipps zusammen. Kind-sein und Erwachsen-werden wären nichts ohne eine Prise Freizeit, welche den Eltern nicht passt. Smartphones und soziale Medien bieten ein Füllhorn an Angeboten: Filme und Serien, Musikvideos, Youtuber und Spotify, Spiele und und und...

"Was machen die da?"
oder
Die wichtigsten Apps für 12-13 jährige

WhatsApp 80%
Youtube 48%
Instagram 44%
Snapchat 23%
Facebook
1%

(bis zu drei Nennungen, JIM Studie 2018)

Was muss ich für Social Media Accounts meiner Kinder beachten?

  • Niemals echte Namen und Geburtsjahr als Nicknames verwenden
  • Keine Profilfotos auf denen das Gesicht zu erkennen ist
  • Accounts immer auf „privat“ stellen (weitere Infos zu Einstellungen von WhatsApp, Instagram und Co. finden sie hier)
  • Niemals das Telefonbuch mit der App teilen, um „Freunde zu finden“
  • Sagen Sie dem Kind, dass es niemals auf Nachrichten von Fremden antworten soll und sich besser bei Ihnen melden soll. Blocken/Melden Sie verdächtige Anfragen an Ihre Kinder.

Was hilft bei Medienerziehung?

Ohne Interesse – keine Grundlage. Wenn sie Ihre Kinder zu positiv denkenden Menschen mit Werten erziehen wollen, müssen Sie das auch wollen. Medien und Smartphones bieten sich an, um über alle Lebensbereiche ins Gespräch zu kommen. Überlassen Sie Ihrem Kind nicht das Internet und hoffen, dass das Internet es dann erzieht. Begleiten Sie ihr Kind indem Sie gemeinsam das Internet entdecken. Reden Sie über verschiedene Medien, über Sexualität und Pornografie, aber auch über Liebe. Sprechen sie über Gewalt, Terror und Mord, aber auch über Würde und Demokratie

Sagen Sie Ihre Meinung, aber begründen Sie diese. Dies geht aber nur dann, wenn sie wissen wovon sie sprechen. Deshalb informieren Sie sich. Über Datenschutz und über digitale Spiele. Über gefährliche Inhalte und über Apps. Über Youtuber und über die neue Form von Werbung. Über digitales Dating und Sexting…so schwer es auch ist: bleiben sie am Ball. Und vielleicht lernen sie auf dem Weg ja noch das eine oder andere…

Das Smartphone sollte kein beruhigender Schnuller für Jugendliche sein, kein Werkzeug um sie ruhig zu stellen.

 

Weil für Jugendliche Identität und Freundschaften in großen Teilen auf Social Media stattfinden, sind sie abhängig davon. Eine Freundschaft bedeutet heute unweigerlich den Kontakt über das Digitale. Deshalb ist es so verheerend, wenn Sie Ihren Kindern das Smartphone willkürlich wegnehmen und es als Druckmittel nutzen. Der beste Schutz gegen gefährliche Inhalte im Netz ist ein Kind, welches bei einem Problem im Netz zu Ihnen kommen kann, ohne dass es Angst hat, dass das Smartphone zur Strafe weggenommen wird.

Regeln und Grenzen sind essentiell. Und im Umgang mit Medien noch viel mehr. Doch Grenzen sind nicht alles. „Ich habe es dir schon 1000 mal gesagt“ – ist Symptom eines Problems: das Fehlen von Konsequenzen. Wird eine Regel gebrochen, eine Grenze überschritten, muss eine Konsequenz folgen. Konsequenzlosigkeit ist im Kindesalter noch erträglich, wird dann bei altersbedingter Trotzigkeit der älteren Kinder zum überwindbaren Riesenproblem. Deshalb gilt die einfache Regel: auf einen Regelverstoß folgt eine Konsequenz. Immer. 

Um klare Regeln zu schaffen, schließen Sie mit Ihrem Kind einen Mediennutzungsvertrag

„Ich habe nichts zu verbergen“ war noch niemals ein Argument, denn: es geht nicht darum, was wir über uns im Netz preisgeben. Es ist der Vergleich von unseren Daten mit den Daten Anderer, welcher so viel über uns aussagt. Genau das ist das große Problem von Big Data. Bringen Sie Ihrem Kind bei, so sparsam wie möglich mit seinen Daten umzugehen. Nutzen sie Werbe- und Tracking-blocker. Versuchen Sie Alternativen zu WhatsApp und Co. in Ihrem Alltag zu etablieren. Das Internet vergisst nie, deshalb sprechen Sie mit Ihrem Kind über die Oma-Regel: sagen Sie Ihrem Kind, dass es nur Dinge ins Netz stellen kann, die es auch problemlos seiner Oma zeigen würde.

Was nutzt die beste Erziehung, wenn die Eltern selbst dem Smartphone verfallen. Ein paar Tipps, um die eigene Smartphonenutzung zu reduzieren finden sich hier.

Versuchen Sie es unbedingt auch mit einem Smartphone-Fasten